Festanstellung? Nein, Danke!


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Warum ich lieber freiberuflich arbeite, aber damit auch nicht immer glücklich bin.

Früher hat mich das Thema Work-Life-Balance quasi null interessiert. Das änderte sich recht schnell, als es um die Familienplanung ging und ist nun, da ich Mama eines Kleinkindes bin, umso wichtiger. Hätte ich damals nicht für möglich gehalten, als ich noch dachte: Das Leben geht normal weiter, nur eben mit Kind. Tja, denkste.

Es fing an, als ich ganz frisch schwanger war. Da verlor ich meinen Job. War eh nur befristet und keiner wusste von dem wachsenden Glück. Hätte ich gewusst, dass ich den Job – von dem man mir eine unbefristete Verlängerung in die Hand versprochen hatte – verlieren würde, hätten wir das Wunschkind wohl kaum in Angriff genommen. Gut, dass ich erst schwanger und dann arbeitslos wurde und nicht umgekehrt.

Denn: Danach fand ich eine freie Pauschlisten-Stelle, die nicht nur besser bezahlt war, sondern zudem bedeutend stressfreier. Zwei bis vier Tage die Woche arbeitete ich dort für einen festen Tagessatz. Ein veritabler Glücksfall. Auch nach der Elternzeit konnte ich dorthin zurückkehren und hatte ziemlich flexible Arbeitszeiten, was vor allem an der Freiberuflichkeit lag. Immerhin ist mir ja niemand weisungsbefugt.

Nun wurde mir dort eine Festanstellung angeboten.

Damit rechnet man als Kleinkind-Mama ja nicht unbedingt. Gleichwohl, es hätte bedeutet: Jeden Tag neun Stunden Arbeit (inkl. eine Stunde Mittagspause), Schichtdienst, Wochenend- und Feiertagsarbeit. Will ich das? Nope! Zumal das Schmerzensgeld auch nicht ausreichte. Als Freiberufler kann ich mehr verdienen, zumindest theoretisch. Ich denke, wenn ich mich schon versklave, sollte die Kohle stimmen. (Hashtag: Firstworldproblems, hust) Und ich habe die Räubertochter ja nicht in die Welt gesetzt, um sie bei erstbester Möglichkeit gleich wieder wegzuorganisieren. Wir haben zwar einen Kita-Platz bis 18 Uhr, aber eigentlich will ich sie schon immer so gegen 16.30 Uhr abholen. Sie ist ja grad erst 1 Jahr und (fast) neun Monate alt.

Ich habe den Vertrag also abgelehnt, verlor die Pauschalisten-Stelle und schlage mich nun freiberuflich durch.

Das ist ehrlicherweise ein hartes Brot. Akquise, Klinkenputzen und ständige Erreichbarkeit können echt nerven und ich wage nicht, das eingenommene Geld mit den gearbeiteten Stunden zu verrechnen. Ich fürchte, dann kriege ich schlechte Laune. Trotzdem, meine Work-Life-Balance fühlt sich mega an. Woran ich das merke? Am Kind! Wenn ich die Räubertochter sonst, nach der Arbeit, abgeholt habe, war sie sehr meckerig, das Anziehen ein Kampf. Und auch danach musste ich irgendwas mit ihr unternehmen, weil sie sonst sehr anstrengend war. Seitdem ich „zu Hause“ bin, ist das komplett anders. Das Kind ist völlig entspannt, spielt auch viel mit sich selbst. Ich vermute, und es ist wirklich nur eine Vermutung, dass es an meiner eigenen Entspanntheit liegt. Klar, ich verdiene nicht mehr ganz so viel, aber dafür bin ich besser drauf. Scheint also zu stimmen: Entspannte Eltern haben entspannte Kinder.

Ich hätte den Job auch annehmen können. Doch was hätte das in der Konsequenz bedeutet? Obwohl der Mann viel macht – mehr als die meisten –, leiste ich doch mehr im Haushalt. Es ist so: Der Mann bringt die Räubertochter morgens in die Kita. Wenn er gegen 18.30/19.00 Uhr nach Hause kommt, bespaßt er sie, während ich koche. Später bringt er sie ins Bett, putzt Zähne, guckt Bücher, singt ein Gute-Nacht-Lied. Samstags geht er Lebensmittel einkaufen, während ich mit der Räubertochter die Drogerie unsicher mache. So ziemlich alles, was zwischendrin anfällt, übernehme ich: Spülmaschine, Wäsche, Hausverwaltung ärgern, Blumen gießen. Alltagsscheiß eben. All das würde ich kaum schaffen, wenn ich fest angestellt wäre. Es würde zu Streit führen. Um uns – und vor allem mir! – das zu ersparen, trete ich beruflich kürzer.

Ist das dumm?

Ich erinner mich daran, wie ich – damals mit sehr dickem Bauch – dachte, der Mann und ich würden uns alles fifty-fifty teilen. Doch schon beim Thema Elternzeit merkte ich, dass er das etwas anders sah. Ende vom Lied: Er nahm zwei Monate mit mir zusammen und zwei Monate, als ich wieder arbeiten ging. Das hat sich als absolut tolle Variante für uns herausgestellt, aber zwischenzeitlich dachte ich schon: „Das Arschloch! Wieso können wir uns das nicht hälftig teilen, so dass ich nach sieben Monaten wieder arbeiten gehen kann?“ Das war, bevor mir klar wurde, wie wichtig und schön das Stillen ist…

Ich zahle derzeit meine Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung selbst, ebenso die Altersvorsorge. Auch das will erstmal erwirtschaftet werden. Meine derzeitige Rentenprognose sieht nicht wahnsinnig schlecht aus, aber gemessen an einer Vollzeitstelle sicher ziemlich bescheiden.

Ist das fair?

Keine Ahnung. Ich kann nur für jetzt sprechen. Momentan kann ich nicht anders leben. Ich schaffe es weder psychisch, noch physisch, 40 Stunden die Woche irgendwo zu arbeiten und eine gute Mutter zu sein. Kriege ich einfach nicht hin. Und ich kenne auch nur wenige, die das schaffen – die ich dafür umso mehr bewundere. Wird mir das später leid tun? Hoffentlich nicht, zumindest nicht emotional. Finanziell möglicherweise schon.

Dennoch. Der Mann und ich sind gleichermaßen gut ausgebildet, beide studiert, Auslandssemester, mehrsprachig. Ich habe sogar deutlich mehr Berufserfahrung als er, weil ich während des Studiums schon voll gearbeitet habe (was mir von Arbeitgebern übrigens nicht als Berufserfahrung angerechnet wird!). Und trotzdem bin ich so ein bisschen in der Hausfrauen-Falle gelandet.

Fast alle Muttis, die ich kenne, arbeiten in Teilzeit und übernehmen mehr Putz- und Kochtätigkeiten als der Mann. Wieso eigentlich? Wie habt Ihr das zu Hause aufgeteilt? Was denkt Ihr zum Thema Work-Life? Kriegt Ihr das besser hin als ich? Warum? Schreibt mir schnell :-*

 

 

 

 

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