Mein Baby spielt mit dem Essen – und das ist auch gut so


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Warum ich jeden Abend Speisereste vom Boden aufsammele und mich das überhaupt nicht stört 😉

Ich weiß noch genau, wie ich damals im Rückbildungskurs saß und die Hebamme Werbung für ein Beikost-Seminar machte. Innerlich rollte ich die Augen und dachte so „Mann, ey, was machen die alle für ’n Gewese? Kaufste halt ein paar Gläschen oder pürierst selbst was, und fertig is der Lack…“ Nun. Als die Räubertochter allmählich in das Alter kam, dass sie uns jeden Happen in den Mund zählte, standen wir selbst vor der Frage: Wie macht man das eigentlich mit dem Zufüttern? Wann und womit fängt man an? Gibt es Nahrungsmittel, die man nicht geben darf? Wie viel sollte ein Kind überhaupt essen und wann hört man dann mit dem Stillen auf?

Klar, Babys essen Brei. Weiß ja jeder. Ich also extraweiche Löffel und Warmhalteteller aus Porzellan (weil: Plaste is ja böse!) gekauft, damit’s los gehen kann. ((Falls jemand die Versanskosten scheut, gibt es vergleichbare Produkte auch bei Amazon: Hier die biegsamen Löffel und hier ein Porzellan-Warmhalteteller))

Irgendwo hatte ich aber mal was von Baby-led Weaning gehört. Klang total abgefahren: Das Kind soll selbst aussuchen und essen dürfen, einfach mit Fingerfood. Futtern wie die Großen. Das gleichnamige Buch* aus UK überzeugte mich total, obwohl es zugegebenermaßen sehr redundant und sehr – ich meine: sehr! – idiotensicher geschrieben ist. Da steht u.a. auch drin, dass man Babys weder Chips noch Cola oder Kaffee geben sollte. Hüstel. Gleichwohl, die Autorinnen, eine Hebamme und eine Journalistin, erklären, wie das mit dem Baby-geleiteten Entwöhnen (von der Brust) funktioniert und worauf man achten sollte.

Lange Rede, kurzer Sinn. Wir machen Baby-led Weaning, genannt BLW. Das Töchterchen kriegt Blumenkohl, Apfel, Zucchini, Champignons (Vorsicht! Die suppen ganz schön und machen hässliche, dunkle Flecken), Süßkartoffeln, Bananen und andere leckere Schweinereien. Je nachdem, was es zu kaufen gibt. Angefangen haben wir, als die Kleine etwa ein halbes Jahr alt war. Zunächst hat sie auf unserem Schoß gesessen, weil sie sich noch nicht selbständig aufsetzen konnte (Mehr zum Thema: Wann darf ich mein Baby eigentlich hinsetzen? hier). Mittlerweile sitzt sie im Hochstuhl, direkt bei uns am Tisch. Das Essen legen wir entweder direkt auf die Tischplatte oder auf einen Bio-Plaste-Teller (auch ein Thema für sich). Wir bieten immer zwei oder drei verschiedene Speisen an und von jeder maximal zwei Stück. Also: So viel, dass die Maus eine Auswahl hat, aber übersichtlich genug, dass es sie nicht überfordert.

Insgesamt klappt das total super. Die Räubertochter greift sich, worauf sie Lust hat, beguckt es sich, riecht dran, wirft es weg, nimmt sich was anderes, steckt es in den Mund, erzählt sich was, greift noch mal zu… Naja, so halt.

ABER! Erstens ist es schon immer eine kleine Sauerei (…die wir mit ein paar Tricks einzudämmen versuchen). Doch ich denk mir: Früher oder später wird’s eh schmutzig. Und wenn Brei-Babys anfangen, richtig zu essen, sauen sie auch rum – dann hat mein Baby es aber hinter sich und wir können schon entspannt im Restaurant sitzen. Zweitens, das Entwöhnen dauert definitiv länger als mit Brei. Nach über zwei Monaten BLW sind wir noch lange nicht an dem Punkt, dass wir mal eine Milch-Mahlzeit ausfallen lassen könnten. Ich stille immer noch voll, was mich nicht stört. Hätte halt nur nicht gedacht, dass das so lange dauert!

Insgesamt finde ich, dass BLW viel entspannter ist, als Brei zu füttern. Nicht zuletzt, weil wir alle gemeinsam am Tisch sitzen und jeder sein Essen hat. Niemand muss das Kind füttern, so dass das eigene Essen kalt wird. Und es gibt keinen Frust nach dem Motto „Mist, jetzt hat sie wieder nur drei Löffel gegessen!“ – denn so entstehen Ess-Probleme. Indem man Kinder überfüttert, sie austrickst („Guck mal ein Flugzeug, brrrr“ oder „ein Löffelchen für Mama, eins für Papa…“). Ehrlich, die Räubertochter brabbelt sich was, währen sie das Essen untersucht und ist herrlich konzentriert bei der Sache. Mal mehr, mal weniger. Es gibt auch Tage, an denen sie einfach nur die Schwerkraft testen will. Turns out: Funktioniert immer. Und ist auch okay so, ich hebe ihr das Zeug eine viertel Stunde lang auf und bin schwer genervt. Dann vermute ich, dass das heute nüscht mehr wird mit dem Essen. Unterdessen haben der Mann und ich uns aber schön die Bäuche voll geschlagen. Anschließend wird gestillt und alle sind happy! Denn: Momentan geht’s beim BLW in erster Linie ums Lernen, weniger ums wirklich Sattwerden. Alles andere wird sich ergeben. Hoffe ich.

 

P.S. Kleines Beispiel aus unserem Alltag. Heute gab’s abends Tomate, Erdbeere und ein Stück Blumenkohl für’s Kind, während ich Rabenmutter mich aus Faulheit mit TK-Pizza vollstopfte. Jedenfalls, ratet mal, was die Prinzessin mit größter Freude futterte! Zuerst wurde gewissenhaft geprüft: Die Kleine beschaute sich alles einzeln, roch und leckte dran, ließ es auf den Boden fallen, quetschte die Stückchen – und entschied sich schließlich für den Blumenkohl, den sie mjam-mjam-brabbelnd (ohne Scheiß) langsam einspeichelte und in Teilen aß. Krass, wa!?

 

Schnauf. Warum wir trotzdem kurz darauf auf Baby-Brei umgestiegen sind, lest Ihr hier.

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