Quetschies – gut oder schlecht fürs Kind?


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Es gibt sie in so ziemlich allen Supermärkten und Drogerien: Quetschies. Von Kindern wie Eltern geliebt. Doch Ernährungsexperten schlagen die Hände über dem Kopf zusammen…

Klar, praktisch sind die Quetschobst-Beutel (ca. 1 Euro pro Stück) allemal. Obst in Smoothie-Konsistenz, einfach rausdrücken, ab in den Mund und schon hat man ein Kind mit Vitamin-Füllung. Aber auch jede Menge Fruchtzucker – viel zu viel für eine Mini-Mahlzeit. So stecken in dem 90-Gramm-Beutel „Banane-Heidelbeere in Apfel“ von Bebivita (siehe Foto) 10,7 Gramm Zucker. Eine Angabe zu den Ballaststoffen fehlt gänzlich, ist aber laut Gesetzgeber wohl auch nicht vorgeschrieben.

In einem normalen Apfel (125 Gramm) stecken laut Wikifit durchschnittlich 12,9 Gramm Zucker, aber eben auch 3 Gramm Ballststoffe. In einer Banane (120 Gramm) sind’s 20,6 Gramm Zucker sowie 2,4 Gramm Ballaststoffe (ebenso bei Wikifit zu finden).

Ballaststoffe fördern die Verdauung, weil die unverdaulichen Bestandteile der Nahrung die Darmtätigkeit anregen, aber auch schnell Sättigungsgefühl hervorrufen. Sie sind meist in den Zellwänden der Pflanzen enthalten, wie etwa Zellulose. Presst man Obst nun aber aus, geht ein Großteil der Ballaststoffe verloren. Alltagsbeispiel: Wer sich einen frischen O-Saft presst, schmeißt einen Großteil der Schale weg. Für ein Glas braucht man meist drei bis vier Orangen. Wer würde so viel auf einmal essen? Eben. Ähnlich verhält es sich mit den Quetschies.

Deshalb achte ich darauf, dass immer ein wenig Getreide in den Quetschies enthalten ist, wenn wir sie schon geben müssen. Ist ja manchmal…, na ja, ich will jetzt nicht sagen: unvermeidlich, aber eben doch sehr unkompliziert. Auf langen Autofahrten, in der Therme – überall, wo man Obst schlecht frisch aufschneiden kann bzw. nicht will, dass das Kind groß rummatscht.

Bei uns gibt’s z.B. „Apfel-Mango in Pfirsich mit Hafer“ von Babylove. Das enthält zwar auf 90 Gramm Inhalt immer noch 6,8 Gramm Zucker, aber eben auch 1,6 Gramm Ballaststoffe. Ähnlich bei „Apfel, Birne, Blaubeere & Dinkel“ von Freche Freunde: 9,4 Gramm Zucker und 2,1 Gramm Ballaststoffe im 100-Gramm-Beutel. Oder „Wassermelone, Erdbeere, Apfel, Birne, Cantaloupe-Melone, Reis“ von Fruchtbar: 100 Gramm enthalten 8 Gramm Zucker und 2,1 Gramm Ballaststoffe. Das sind Werte, die ich für akzeptabel halte; wer will schon Asket und Kostverächter sein?

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Gleichwohl gibt es von der Verbraucherzentrale Niedersachsen generelle Kritik an den Quetschies. Sie seien „überflüssig und überteuert„, heißt es. Warum? Weil Gläschen billiger sind, frisches Obst und Gemüse nicht durch Pürees ersetzt werden sollte. Zudem ist das Nuckeln ungesund für die Zähne, die Kaumuskulatur wird auch nicht trainiert. Absolut d’accord, wenn Ihr mich fragt. Darum rät die Verbraucherzentrale auch dazu, Quetschies „nur als Ausnahme auf Reisen“ zu geben. Und selbst da seien sie nur „bedingt geeignet“.

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