Schläft Dein Kind oder schließt Du es ein?


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Was das Thema Schlaftraining angeht, bin ich ja relativ liberal eingestellt. Aber die US-Methode, über die der SPIEGEL gerade berichtet, macht mir doch ein wenig Angst…

Unter der Überschrift „Mama ist böse“ (online nur kostenpflichtig verfügbar) schreibt das Magazin, dass es immer mehr Eltern gibt, die ihre Kinder nachts im Zimmer einschließen, um so ihre Ruhe zu haben bzw. den Nachwuchs davon abzuhalten, (immer wieder) herauszukommen. Hm.

Angefangen hat es wohl mit der US-Autorin Lisa Selin Davis, die in der „New York Times“ davon berichtete, wie sie ihre Tochter vorübergehend nachts im Kinderzimmer einschloss – was meiner Meinung schlicht an den falschen Einschlafritualen und mangelnder (liebevoller) Konsequenz lag, soweit ich das ihrem Text entnehmen kann. Aber das nur am Rande. Davis sei, so der SPIEGEL, eine „Anhängerin einer neuen Bewegung in den Vereinigten Staaten, der eine harte Hand bei der Schlaferziehung als Gebot der Stunde gilt“. NOT! Wenn man den Text der Zweifachmutter richtig liest, spürt man ihre Verzweiflung, ihr Hadern und auch ihren legitimen Wunsch nach Schlaf, was ich alles soooo gut nachempfinden kann. Find ich ein bisschen fies, so auf die arme Lisa loszugehen, die sich die Entscheidung, das Schlüssel-Experiment zu wagen, offenbar nicht leicht gemacht hat. Dennoch: Die Tochter, die da heulend hinter der Tür saß, tut mir sowas von leid!

Auch deutsche Eltern wissen sich allem Anschein nach mitunter nicht anders zu helfen, als die Tür zu verriegeln, schreibt der SPIEGEL und zitiert entsprechende Forenbeiträge. Einzelfälle? Ein Trend? Da schüttelt’s einen schon – und ich sage das als eine Mama, die für eine vernünftige Schlaferziehung plädiert –, und man gibt dem zitierten Kinderarzt Herbert Renz-Polster intuitiv recht, wenn er sagt: „Das ist für mich reine Kindsmisshandlung.“

Irgendwie frag ich mich, wie man (zumal als Arzt!) auf die Idee kommen kann, sein Kind wegzusperren, selbst wenn es quengelt oder nachts mehrfach herauskommt. Bei allem Verständnis für’s Genervtsein – DAS kann doch unmöglich eine Lösung sein. Ich bin auch tierisch entnervt, wenn die Räubertochter zum zwanzigsten Mal mit dem Stift die Tapete anmalt, aber deswegen binde ich ihr ja  nicht Hände fest, sondern erkläre ihr zum zwanzigsten Mal, dass das nicht geht. Ruhig, aber bestimmt. Und ich bestehe darauf, dass sie mir dabei in die Augen sieht und nicht so tut, als könne sie mich nicht hören. Danach nehme ich sie in den Arm und sage ihr, dass alles wieder gut ist. Ich gehe davon aus, dass klare Ansagen mit versöhnlichen Gesten auf Dauer Erfolg haben werden. Mal sehen.

Wie handhabt Ihr das denn so? Welche (Schlaf-)Regeln gelten bei Euch und wie setzt Ihr sie um? Ich freue mich über jeden Tipp.

 

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