Throwback Thursday: Wehe, du kommst nicht!


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Vor rund einem Jahr drehte sich bei mir alles ums Entbinden. Wie so viele Schwangere wartete ich sehnsüchtig auf mein Baby, und mit dem jeden Tag, den ich übertrug, hoffte ich, die Wehen mögen doch endlich einsetzen…

Taten sie nicht – trotz aller Tricks und Kniffe, von denen mir jeder sagte: „Mach das, dann geht’s los.“ Lest mal, was angeblich alles eine Geburt in Gang setzen soll.

Die hier aufgelisteten Tipps habe ich im Übrigen allesamt von meiner Hebamme oder der Hebamme aus dem Krankenhaus (man muss ja vor der Entbindung regelmäßig zum Herztönehören hin, wenn man überfällig ist) sowie von den Ärztinnen, die mich dort behandelten…

 

Himbeerblättertee. Ist ein altes Hausmittel und soll zu einer sanften Geburt führen. Man soll gegen Ende der Schwangerschaft täglich bis zu drei Tassen trinken, empfehlen Hebammen. Angeblich würden die Himbeerblätter die Beckenbodenmuskulatur lockern, so dass das Entbinden leichter fällt. Der Tee löst aber nicht die Wehen aus, sondern verstärkt sie. Angeblich.

Spazieren gehen/Treppen steigen. Bis zum Schluss hab ich Sport, ab dem 9. Monat aber nur noch Yoga, gemacht, war jeden Tag lange spazieren. Zudem wohnen wir recht weit oben, womit ich das Treppensteigen auch für mich als done abhaken kann. Ich hab mich nicht ausgepowert, aber schon gefordert. Ich hatte ja schon seit einiger Zeit leichte Vorwehen, doch leider wurden sie nicht stärker, obwohl Bewegung ja wehenfördernd sein soll.

Heiß baden. Hab ich gemacht. Sogar noch am Abend, bevor wir zum Einleiten ins Krankenhaus gefahren sind. Zudem haben wir das Badewasser mit einem Ingwer-Nelke-Kardamon-Zimt-Zusatz gepimpt, weil Scharfes ja anregend sein soll. Roch auch echt lecker, aber die Räubertochter im Bauch hat das null gejuckt. Eigentlich logisch, denn das Baden löst Wehen nicht aus – aber wenn man hoch schwanger und wartend ist, glaubt man alles! 24 Stunden später, in der Klinik, hat das Baden die schon vorhandenen Wehen verstärkt. So sehr, dass es mich wirklich fast umgehauen hat.

Sex. Check. Hat nix gebracht. Außer Spaß natürlich.

Akupunktur. Zwei Wochen lang bin ich alle paar Tage zur geburtsvorbereitenden Akupunktur gerannt, habe mir Nadeln in Beine, Füße, an Kopf und Hand stecken lassen. Weil: „Damit geht die Entbindung superschnell“, versprach eine Bekannte auch meine Frauenärztin, eine sehr besonnene Frau, hielt das nicht für abwegig. Doch weder öffnete sich der Muttermund besonders schnell, noch hat die Räubertochter es zügig durch den Geburtskanal geschafft. Hätte ich mir echt sparen sollen, die Akupunktur!

Brustwarzen massieren. Boah, was fand ich das nervig. Unangenehm sogar. Mir wurde versichert, dass die Stimulation die Oxytocin-Produktion anregt, was wiederum die Wehen ankurbelt. Nach ein paar ergebnislosen Tagen habe ich entnervt abgebrochen.

Low Carb. Das war der mit Abstand bescheuertste Rat, der mir gegeben wurde. Die Logik: Wenn der Körper damit beschäftigt ist, Kohlenhydrate abzubauen, kann er nicht (so schnell) Oxytocin produzieren. Und das braucht es halt, um Wehen zu fördern bzw. zu verstärken. Also sollte ich täglich ab 13 Uhr auf Kohlenhydrate verzichten. Das habe ich zehn Tage (!) durchgehalten und außer richtig mieser Laune hat das Ganze nichts bewirkt. Bezeichnenderweise findet man zu diesem Ratschlag wenig bis nichts im Netz (abgesehen von diesem Foren-Thread), was mich damals schon hätte stutzig machen müssen. Hach ja.

Damm-Massagen. Wi-der-lich! Will ich nicht drüber reden. Nur so viel: Bringt nüscht. Genau so wie Sitzbäder. Wer trotzdem mehr wissen will, auf dem Hebammenblog steht’s ganz genau.

Auch sinnloserweise probiert: Scharf essen, Fußreflexzonenmassage, Globuli. Wer trotzdem noch Ratschläge lesen will, findet sie bei den Netmoms, die die Wirksamkeit sogar bewerten.

Fazit? Alles QUATSCH! Nix hat geholfen. Ich habe zwei Wochen übertragen, die Entbindung musste eingeleitet werden. Weder ging etwas schnell noch leicht. Und damit meine ich: Es war nicht nur nicht-leicht, sondern es war lang, nicht komplikationsfrei, ergo extrem scheiße. Diese ganzen Tipps funktionieren vielleicht nur, wenn man mit aller Macht daran glaubt. Aber jemand wie ich, der eher pragmatisch an Sachen rangeht und Homöopathie für Budenzauber hält, nun ja, so jemand verlässt sich auf seinen eigenen Körper. Und ist dann im Zweifelsfall verlassen, wenn der Körper nicht so funktioniert, wie man es von ihm gewohnt ist. Und dann kommt die Erkenntnis: Du kannst machen, was Du willst, aber ein Kind zur Welt zu bringen ist eine Urgewalt, die kannst Du nicht mit ein paar Kügelchen zähmen. Wenn das Gebären, wie in meinem Fall, nicht ganz so geschmeidig läuft wie erhofft, ist das so, weil eben jeder Mensch, jede Geburt, jeder Tag anders ist. Und ganz bestimmt nicht, weil man vergessen hat, Himbeertee zu trinken oder Damm-Massagen zu machen.

Wollte ich nur mal sagen. Vor allem für jene Mamis, die das Abenteuer noch vor sich haben… Entspannt Euch, es kommt eh wie es kommt!

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