Eijeijei, windelfrei!?


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Schon Neugeborene können aufs Töpfchen. Sozusagen. Wir haben’s probiert und sind begeistert.

Die Idee klingt so abgefahren, dass die meisten Leute denken, man spinnt, wenn man ihnen von „windelfrei“ oder „topffit“ erzählt. Beides meint eigentlich das Abhalten von Babys. Also nicht in die Windel machen lassen, sondern auf die Zeichen des Kindes reagieren und das Baby über einen Topf – es gibt hierfür spezielle, so genannte Asia-Töpfchen –, die Toilette oder das Waschbecken halten (Blumenbeet geht natürlich auch). Ich hätte es selbst nicht für möglich gehalten, aber Säuglinge geben tatsächlich Signale, wenn sie mal müssen. Sie werden plötzlich quengelig, zappeln mit den Beinchen oder halten beim Spielen auf einmal inne, kriegen glasige Augen. Darum ist „windelfrei“ auch kein (klassisches) Töpfchentraining, sondern eine Art der Kommunikation: Ich achte auf mein Baby und reagiere auf seine Körpersprache. Ob Hunger, Müdigkeit oder eben das Bedürfnis, sich zu erleichtern – Babys zeigen das. Oftmals sogar ziemlich deutlich.

 

Wir haben angefangen, als die Räubertochter viereinhalb, knapp fünf Wochen alt war. Eigentlich wollten wir „windelfrei“ von Anfang an machen, haben uns aber nicht so recht getraut. Darum haben wir einen Workshop dazu besucht, nach dem wir zusätzlich auch noch auf Stoffwindeln umgestiegen sind (zumindest teilweise).

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits festgestellt, dass unsere Kleine ganz oft auf die Wickelunterlage macht (groß wie klein, hüstel). Wie das kam? Naja, sie fing plötzlich an zu meckern, obwohl sie gerade zuvor noch ganz friedlich rumgelegen hat. Wir dachten, dass die Windel voll wäre. Also ab zum Wickeltisch, Windel ab – und die war trocken. Hm, denkste da, dann wohl nicht. Und dann will man gerade die Windel wieder anlegen – zack, schießt es aus dem Baby raus :-/

Beim Workshop lernten wir dann, genau(er) auf die Zeichen zu achten, die Sprache des Babys zu analysieren und auch in gewissen Standard-Situationen das Töpfchen bereit zu halten. Die Räubertochter hat in den ersten Monaten IMMER beim Stillen ihr Number Two gemacht. So nach etwa zehn Minuten trinken dockte sie sich ganz kurz ab, dann wieder an, und ruuummmmsss, kam’s raus. So schnell kannste gar nicht reagieren, also hielt ich das Töpfchen dann beim Stillen immer unter das Baby. Das erfordert ein klein wenig Übung, klappt aber sehr schnell sehr gut. Das war die eine Standard-Situation, in der man schon mal eine Windel sparen konnte. Die andere war (und ist es bis heute) der Moment nach dem Wachwerden. Es ist wohl tatsächlich so, dass Babys nach dem Wachwerden mal müssen. Kann ich nur bestätigen. Baby hoch nehmen, schnell ausziehen, abhalten, fertig. Dauert keine zwei Minuten.

 

In aller Regel werden die beiden Töpfchen-Geschäfte mit einer Gestik und einem Geräusch verbunden, so dass das Baby das jeweils miteinander verbindet. Wir haben zum Beispiel fürs Pipi immer Pssssst gesagt und mit den Fingern gewackelt, als würde jeder Finger einzeln winken (versteht man, was ich meine???). Und für Number Two haben wir eine Faust hin- und her bewegt und ah-ah-ah gesagt.

Ob das der Räubertochter je was gebracht hat, kann ich echt nicht beurteilen. Das Langzeitziel dabei ist, dass das Kind irgendwann auf diesen Reiz reagiert und weiß: Aha, hier kann ich mich also leeren.

 

Als die Kleine irgendwann groß genug war und sitzen konnte, haben wir ein richtiges Töpfchen gekauft. Das klappte absolut problemlos. Fand sie klasse. Und machte auch fleißig.

 

Aaaaber. Zwar sind der Mann und ich vom Abhalten total überzeugt, aber wie beim Schlaftraining, so haben wir auch hier unseren eigenen Weg gewählt. Wir haben das Baby nicht unterwegs aus der Trage genommen und am Wegesrand abgehalten; egal, wie das Wetter war. Wir haben sie auch nicht bei Fremden, in Restaurants oder beim Arzt abgehalten. Ist nicht so unsers. Daher hat die Räubertochter unterwegs häufig Wegwerfwindeln an. Auch in der Krabbelgruppe beispielsweise. Ich hatte für mich immer das Gefühl, wenn ich mit Stoffwindel und Topf unterwegs bin, dass mich das stresst. Ständig das Kind anstarren, ob es Zeichen gibt. Immer aufpassen. Das ist auch für das Kind nervig, wenn es gerade entspannt spielt und ich merke, dass es doch eingepullert hat, weil es zu beschäftigt war, um Zeichen zu geben und ich dann die Windel wechseln muss. Mal abgesehen auch von der Schlepperei.

 

Und noch ein Wort zum Thema Zeichen geben: Das funktioniert so lange gut, wie das Baby noch recht klein ist. Bei uns bis so etwa zum fünften Monat. Bis dahin sind wir tageweise komplett ohne nasse Windel zurecht gekommen. Es lief perfekt. Manchmal hat’s auch nicht geklappt, aber hey, that’s life. Doch mit dem Fünf-Monats-Schub kam ja vieles durcheinander, auch das Schlafen. Und von jetzt auf gleich gab die Räubertochter entweder gar keine oder widersprüchliche Signale, so dass ich alle zehn Minuten mit ihr zum Töpfchen gerannt bin, weil sie quengelte. Aber nie kam was. Beim x-ten Mal hatte ich dann auch keinen Bock mehr – und da hat sie dann in die Windel gemacht, war ja klar. Sowas frustriert natürlich. Gehört aber dazu, sagen „windelfrei“-Auskennerinnen. Das Baby ist so sehr mit Lernen, Entdecken und Erforschen beschäftigt, dass es keine Zeichen geben kann. Irgendwann pegelt sich das wieder ein. Hat bei uns gute drei Monate gedauert. Wir haben immer wieder versucht, ihr das Töpfchen anzubieten, aber es war reine Glückssache, wenn etwas darin landete.

 

Heute ist es so, dass die Räubertochter manchmal zum Bad krabbelt, wenn’s pressiert. Nach dem Wachwerden muss sie auch fast immer. Und ansonsten vergisst sie es sehr oft, Zeichen zu geben. Krabbeln und so ist halt einfach spannender… was total okay ist. Sie soll die Welt in ihrem Tempo entdecken, soll sein, wie sie eben ist. Das Trockenwerden kommt, wenn die Zeit dafür reif ist.

 

P.S. Kleine Anmerkung zum Foto: Der Sticker auf der Windel hat eine ganz eigene Geschichte!

 

Nachtrag Oktober 2016: In der Kita hatte sich das mit dem Töpfchen und dem Zeichengeben erledigt. Die sind da erstens nicht so hinterher und zweitens war die Räubertochter viel zu beschäftigt, um Zeichen zu geben. Ist okay, wir machen uns da nicht heiß.

 

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